Wie viel ist genug?

Bei meiner Hochzeit war ich nicht nur jünger und hübscher, sondern habe mir alles ganz anders vorgestellt. Ich hatte einen tollen Beruf, super Chefs. Wir träumten von Kindern und natürlich wollte ich auch mit Kinder weiter arbeiten. Ganz die moderne Familie.

Und dann endlich das erste Kind! Für uns ganz klar, wir gönnen uns und dem jungen Erdenbürger drei volle Jahre Elternzeit. Danach wollten wir weiter sehen. Das stieß schon damals auf Erstaunen. Bevor diese drei Jahre vergangen waren, hatten wir ein zweites Kind und das Dritte war unterwegs. Mittlerweile stellte kaum jemand weitere Fragen zu meiner Berufstätigkeit. Welch ein Glück, welch ein Geschenk des Himmels, dass wir uns das so leisten konnten! Wir leisteten uns sogar 9 Monate Elternzeit für uns beide – gleichzeitig.
Während der vielen Kindergartenjahre hatte ich dann die Möglichkeit  stundenweise arbeiten. Nicht in meinem eigenen Beruf. Anstrengend, aber es tat soooo gut, wieder Jemand zu sein. Und nicht nur Mama von … .

Doch diese Freude schwand ganz langsam und zu Beginn unmerklich. Dann  immer häufiger die Frage – wie schaffen das all die anderen Mütter, die meist viel mehr arbeiten (müssen)? Immer häufiger die Frage – warum tue ich mir das an? Und warum tue ich das unseren Kindern an? Alle unsere Kinder sind gewollt, sind wunderbar. Haben sie eine total gestresste Mutter verdient, die eben nicht erfüllt von der Arbeit, sondern vor allem müde und genervt nach Hause kommt? Und die Betreuung in den Ferien, ohne weitere Familie vor Ort – jedes Mal ein Krampf.

Am Ende stand die Entscheidung wieder zu Hause zu bleiben! Es tat gut im täglichen Allerlei. Aber es blieb zunächst ein seltsames Gefühl, da doch viele zu diesem Zeitpunkt, wenn die Kinder selbständiger werden, doch wieder so richtig in den Beruf zurückkehren und durchstarten oder zumindest Stunden aufstocken. Bin ich nicht leistungsfähig? Fehlt mir der nötige Biss? Und so leichtfertig auf Einkommen und Rente zu verzichten … All die Studien zu den positiven Auswirkungen einer berufstätigen Mutter … Dazu die fehlende Anerkennung durch Chef, Kollegen, das Gehalt, und sonstige Bemerkungen, wie gut das doch eigentlich alles klappt – von der Ferne aus betrachtet. All das stand gegen das ganz leise Gefühl, so ist es aber gut für unsere Familie. Und es stand vor allem gegen die erbetete Gewissheit, dass ist Gottes Weg mit uns.

Wie wohltuend war dann dieser kurze Bibelvers: „Seid nicht hinter dem Geld her, sondern seid zufrieden mit dem, was ihr habt.“ (Hebräer 13, 5)

Natürlich heißt das in jeder Familie etwas anderes. Mir haben diese Worte den Druck durch die unterschiedlichen Erwartungen genommen: Mich dem vermeintlichen Bild der zeitgemäßen und unabhängigen Frau anzupassen, die ich offensichtlich so nicht bin. Mir und anderen zu beweisen, dass ich doch auf allen Hochzeiten tanzen kann und auch mit Kindern auf (fast) nichts zu verzichten brauche. Schließlich haben wir ja das große Glück, dass uns ein Einkommen reicht. Und noch mehr Geld, bringt halt nicht unbedingt mehr Glück, Zufriedenheit und Sicherheit. So fordert der Vers von mir das Gegenteil von höher, schneller, weiter oder alles vorausplanen und absichern.

Gleichzeitig wächst mein Vertrauen, dass dies Gottes Weg mit uns ist. Und ER für uns sorgt: So wie mit der unerwarteten Gehaltserhöhung für meinen Mann am Tag nach meiner Kündigung. Die meinen Verdienst-Ausfall tatsächlich ersetzte.
Ich darf meine Angst um unser Einkommen, meine Rente, eigentlich alles, das ich brauche um mich sicher zu fühlen, in Gottes Hände legen. Bei mir war es offensichtlich die finanzielle Sicherheit.

Und nach mittlerweile einem Jahr wieder zu Hause, kann ich aus vollem Herzen sagen: Für uns ist es die beste Entscheidung gewesen. Und mir fällt nicht die Decke auf den Kopf. Im Gegenteil – mein Leben ist reicher und bunter als es jemals war.

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