Endspurt und Punktepläne

Diese lange Schreibpause war so gar nicht geplant. Nun ist die WM schon fast wieder vorbei und die Sommerferien stehen vor der Tür. Mein analoges Leben hat wie jedes Jahr um diese Zeit wieder Fahrt aufgenommen. Jedes Jahr versuche ich mich dieser Dynamik zu entziehen und scheitere mit aller Regelmäßigkeit. Ich bleibe dran, in einem halben Jahr bietet sich in der Adventszeit ja ein ähnliches Szenario.

Ein wenig habe ich mir ja außerdem selbst ein Bein gestellt. Gerade am Ende des Schuljahres geht den Kindern ja regelmäßig so ein wenig die Puste aus, es werden Wochen und Tage bis zu den Ferien gezählt, während sich die Klassenarbeiten und Tests nur so häufen.
Es gibt etwas, das ihnen hilft. Aber nur, wenn ich es super gut vorbereite und es macht auch unterwegs viel Arbeit. Punktepläne. Speziell ADS Kinder profitieren davon, aber auch anderen Kindern kann man dabei einen Motivationsschub geben.

Genau darum geht es nämlich. Soweit ich das verstanden habe (ich will damit sagen, ich besitze gesundes Halbwissen und keine fachliche Ausbildung), ist die Motivation bei ADS Kindern extrem gering, weil der entsprechende Teil des Gehirnes nachweislich schlechter durchblutet ist. Der innere Schweinehund ist bei ihnen also nicht nur größer, sondern unvorstellbar groß. Und da der Spaßfaktor beim Vokabellernen oder bei der x-ten Matheaufgabe einfach umgekehrt proportional klein zum Schweinehund ist, ist das Problem einfach zu erkennen: die Motivation muss von außen verstärkt werden. Und da können Punktepläne helfen.

Dabei schaut man sich einen Lebensbereich des Kindes an, in dem es weiterkommen soll: regelmäßiges Vokabellernen, zügig die Hausaufgaben erledigen (und vorher wissen, was es überhaupt auf hat) oder auch das Zähne putzen am Abend nicht zu vergessen. Halt der Punkt, wo es am meisten hakt und in der Familie knallt.

Und jetzt kommt der Erwachsene ins Spiel: es gibt Punkte für das Erreichen des klar formulierten Zieles. Zum Beispiel 30 Punkte, wenn alles super geklappt hat. 15 Punkte, wenn man (ein paar Mal) erinnern musste. Selbst wenn gar nichts ging und man am Ende sich den Mund fusselig geredet hat, gibt es 2 Punkte, weil das Kind sich ja (zwangsweise) mit dem Thema beschäftigen musste. Erhaltene Punkte dürfen niemalsnie wieder als Strafe weggenommen werden. Manche Kinder lieben es, wenn sie anhand von Murmeln oder Büroklamnmern sehen, wie schnell ihr Konto wächst, anderen reichen die Zahlen. Aber es muss zeitnah „Buch“ geführt werden.

Und was passiert mit all den Punkten? Klar, Punkte sammeln allein, hilft den meisten Kindern nicht als Motivationsschub. Die Punkte sind eine Tauschwährung, mit der man sich heißgeliebte Dinge verdienen kann. Und diese zu benennen und mit einem entsprechenden Preis zu versehen ist gar nicht so einfach. Das können Kleinigkeiten sein, wie eine Tüte Chips. Und die sollten schon zu Hause liegen und sofort eingetauscht werden können, wenn das Guthaben reicht. Aber auch größere Belohnungen sollten im Angebot sein, wie ein richtig tolles, dickes Buch oder wie ein Ausflug, der sonst nicht so gemacht wird, weil aufwändig oder teuer. Dann muss bei verdienter Punktzahl sofort der Termin festgelegt werden und darf eigentlich nicht verschoben werden. Wenn die Belohnungen nicht sofort gezahlt werden, dann verpufft die Wirkung der Pläne leider recht schnell.

Und es ist klar, wo die Arbeit liegt: die Aufgabe, die das Kind lernen soll, muss klar benannt werden, auch wenn man eigentlich an tausend Stellen gerne etwas weiter kommen würde. Das Kind muss bereit sein, diesen Punkt zu lernen. Es muss täglich geprüft werden, ob die vereinbarte Aufgabe erledigt wurde. Die Punkte müssen gut geschrieben werden. Und die Belohnungen müssen super zu dem Kind passen, sonst ist die Motivation futsch.
Ist ein Zeil erreicht, kann man einen neuen Plan vereinbaren.
Die Pläne und Vereinbarungen samt den Belohnungen sollten gut sichtbar irgendwo hängen. Aber unter Umständen so, dass Besuch sie nicht entdeckt. Schwierig, aber irgendwo gibt es immer ein Plätzchen dafür.

Ich habe Ende des Winters meine Motivation für die Pläne verloren. Wahrscheinlich bräuchte ich auch solch einen Plan. Und als es turbulenter wurde, hatte ich nicht mehr den Kopf, welche vorzubereiten. Und sie dann auch noch mit den Kindern zu besprechen, weil ohne Zustimmung wird es ja auch nix.

Aber für alle, die noch etwas mehr Kraft haben oder die Sommerferien für ihre Überlegungen nutzen wollen: wenn man es sorgfältig macht, dann sind sie ein großer Gewinn. Und gleichzeitig gibt man den Kindern ein Hilfsmittel mit, wie sie sich irgendwann auch selbst aus einem Motivationsloch befreien können. Indem sie sich selbst Ziele stecken und selbst entsprechende Belohnungen versprechen.

 

Bild/ Icon erstellt mit bitmoji/ Snap Group Limited

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