Susi Sauber

 

„Krank? Haben Sie manchmal auch das Gefühl, an einer geheimnisvollen Krankheit zu leiden?

Bei mir lief das früher so: Ich beschließe das Auto zu waschen. Als ich zur Tür gehe, sehe ich, dass die Post auf dem Tisch liegt. Na gut, ich möchte ja gern das Auto waschen. Aber zuerst werde ich mal gucken, wer mir geschrieben hat. Ich lasse die Schlüssel auf dem Schreibtisch liegen, lege die Post weg, die mich nicht interessiert, und stelle dabei fest, dass der Altpapiersammler voll ist. Ich werde die Rechnungen und Kontoauszüge im Schreibtisch verstauen und den Altpapiersammler ausleeren, aber wo die Schublade des Schreibtisches schon mal offen ist, könnte ich doch gleich die Schecks ausstellen, um die Rechnungen zu bezahlen.

Wo ist mein Scheckheft? Auweia! Es ist nur noch ein Scheck drin. Mein Vorrat an Schecks ist in der zweiten Schublade des Schreibtisches. Ah, da auf dem Schreibtisch steht ja das Glas mit dem Saft, den ich heute Morgen eigentlich trinken wollte.

Ich werde die anderen Schecks suchen. Aber zuerst muss ich das Glas wegstellen, das steht zu nah am Computer. Ach, dann kann ich den Saft ja auch gleich wieder in den Kühlschrank stellen, er ist ja schon lauwarm.

Ich gehe in Richtung Küche und sehe, dass die Pflanzen Wasser brauchen. Ich stelle das Glas Saft auf das Tischchen und … super! Da ist sie ja, die Brille! Die habe ich den ganzen Morgen gesucht! Die sollte ich besser sofort an ihren Platz räumen.

Ich fülle eine Kanne mit Wasser und nähere mich meinen durstigen Pflanzen. Oh Nein! Jemand hat die Fernbedienung in der Küche gelassen. Und ich habe so lange danach gesucht, als ich eben die Nachrichten gucken wollte. Am besten bringe ich sie gleich dahin zurück, wo sie hingehört. Ich gieße meine Pflanzen ein wenig (ein bisschen gieße ich auch den Boden, den werde ich aber bestimmt gleich sauber machen), werfe die Fernbedienung auf den Sessel und gehe auf die Haustür zu, die ganze Zeit mit dem Gedanken beschäftigt, was es denn noch mal war, das ich eigentlich machen wollte!

Am Ende des Tages ist das Auto nach wie vor schmutzig, die Rechnungen nicht bezahlt, meine Pflanzen haben nicht genug Wasser, um überleben zu können, im Scheckheft ist nach wie vor nur ein Scheck und die Autoschlüssel kann ich beim besten Willen nicht mehr finden.

Als mir klar wird, dass ich den ganzen Tag überhaupt nichts zu Ende gebracht habe, bin überrascht, denn eigentlich war ich doch den ganzen Tag beschäftigt! Ich glaube, ich leide an einer geheimnisvollen Krankheit.

Am besten versuche ich mal was darüber im Internet zu finden. Aber erst mal gucke ich, ob mir jemand eine E-Mail geschrieben hat.“

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